Die 7x7 Unternehmensgruppe bietet Anlagekonzepte für Privatanleger mit dem Anspruch, eine Alternative zu anderen Finanzprodukten zu bieten und sich dabei an christlichen Werten zu orientieren. Mit dem „7x7 Unternehmenswerte Deutschland I“ legt die Gruppe zum ersten Mal einen Beteiligungsfonds im Publikumsbereich auf. Fragen zum Konzept und zu den Details der Beteiligung erläutern Andreas Mankel und Thomas Kühr.
VC Magazin: Welchen Track Record hat 7×7 im Private Equity-Bereich?
Kühr: Gemäß BVK-Definition ist „Private Equity“ der Oberbegriff für alle Eigenkapital-Anlageformen: Venture Capital, Buy outs und Mezzanine – Beteiligungskapital im weitesten Sinne.
Die 7×7 Unternehmensgruppe entwickelt und realisiert unter der „Schirmherrschaft“ der Muttergesellschaft 7×7 invest AG eigenkapitalbasierte alternative Konzepte und Projekte in den Bereichen Vorsorge und Vermögen, Investment und Geldanlage sowie regenerative Energien und Hilfsprojekte. In diesen Unternehmensbereichen arbeiten rund 50 Mitarbeiter an sieben Standorten im südlichen Nordrhein-Westfalen und nördlichen Hessen. Gegründet wurde das Unternehmen 2006 von Andreas Mankel.
Die Gruppe investiert von institutionellen (Stiftungen, Versicherungen, Kirchen), gewerblichen und privaten Anlegern anvertrautes (Eigen-)Kapital im Rahmen eigener Produkte und Projekte ausschließlich in Sachwerte. Dies können z. B. Immobilien, Energieanlagen (Windparks, Photovoltaik), Wald- und forstwirtschaftliche Flächen sein oder auch Unternehmensanteile. Bei Projekten im Energie- und Immobilienbereich liegt die Verantwortung für den gesamten Wertschöpfungsprozess meist in einer Hand. Die 7×7 Unternehmensgruppe bzw. Partner aus deren Netzwerk sind meist selbst auch Projektentwickler und ausführende Organisation.
Sie sind also mit dem Alltagsprozess der Unternehmensführung in nahezu allen betrieblichen Bereichen intensiv vertraut!
Realisierte Beispiele sind Supermärkte, die gezielt im Wohnbereich erstellt wurden, damit auch ältere Menschen wieder im Nahbereich einkaufen können. Ergänzend wurden PV-Anlagen auf den Dächern installiert. Derartige Objekte wurden z.B. in 53940 Blumenthal, in 53894 Mechernich oder in 41569 Rommerskirchen realisiert und an Netto vermietet. Weitere Projekte sind der Umbau eines ehemaligen Botschaftsgeländes in hochwertige, barrierereduzierte Wohnimmobilien, die Mitwirkung an Konzeption und Umsetzung eines Fonds für Kiribaumplantagen, oder auch die Beteiligung an jungen Unternehmen wie der GP Medical Instruments GmbH und die Ordermed GmbH.
Mankel: Der 7×7 Unternehmenswerte Deutschland I. GmbH & Co. KG (im folgenden kurz „7×7 VC-Fonds“ genannt) basiert auf der Initiative der 7x7invest AG und der 7x7finanz GmbH.
Die Management Gesellschaft 7×7 management GmbH ist die Komplementärin der GmbH & Co.KG und führt den gesamten Venture Management-Prozess. Sie kann sich einerseits im administrativen Bereich auf eine perfekte Infrastruktur der 7×7 Unternehmensgruppe abstützen, andererseits wird sie geführt von Experten der Venture Capital -Branche, die den gesamten Fondskreislauf von der Suche nach geeigneten Unternehmen, über die Due Diligence und die Investmententscheidung, die Phase der Betreuung, des Coaching und Controlling bis hin zum Exit über alle Kanäle (Börse, Trade Sale, Buy back) aktiv und erfolgreich durchlebt und gestaltet haben. Der Track Record des Managementteams ist nachweisbar: einen Kurz-CV der Schlüsselpersonen finden Sie hier: www.springhin.de unter dem Register „Management“.
VC Magazin: Der Fonds 7×7 Unternehmenswerte Deutschland I. soll in Unternehmen investieren mit Geschäftszwecken, „die Menschen einen hilfreichen Nutzen bieten und christlichen Werten nicht widersprechen“. Geben Sie uns bitte Beispiele, was Sie darunter verstehen.
Kühr: Ziel ist es, Unternehmen eine günstige, möglichst bankenunabhängige Finanzierungsstruktur anzubieten. Nicht irgendwelchen Unternehmen, sondern solchen, deren Produkte einen Nutzen stiften und Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken oder Wohnen befriedigen; solchen, die mit ihren Produkten Arbeitsplätze schaffen, Mobilität fördern, Natur und Umwelt schonen oder im Umfeld der erneuerbaren Energien tätig sind. Darüber hinaus gibt es auch Unternehmen, die und deren Führung und Mitarbeiter sich an ideellen Werten orientieren. Wir wollen nach christlichen Grundsätzen geführte Unternehmen dabei unterstützen, christliche Werte in Wirtschaft und Gesellschaft zu multiplizieren.
Diese Anlagestrategie ist auch vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise und der unsicheren Aussichten in Bezug auf den Euro zu sehen. Auch wenn Geld entwertet wird, steht den Investments immer ein solider Sachwert gegenüber. Bei allem sollen nicht nur die finanziellen Renditen, sondern auch andere Ertragsformen – von der sozialen bis zur nachhaltigen Rendite – erzielt werden.
Dieses Konzept der „7-fachen Rendite“ resultiert aus einer auf christlichen Werten basierenden Unternehmensethik.
Konkret wird das in Form der Beteiligung an der GP Medical Instruments GmbH in Lübeck, einem Spin-off der Uniklinik Lübeck. Das Unternehmen hat ein neuartiges und patentiertes Verfahren entwi-ckelt, das auf dem Zusammenhang zwischen regionaler Anästhesie und Hauttemperaturerhöhung basiert. Das darauf entwickelte Produkt, das Monitoringsystem TempaSenz®, ermöglicht erstmals eine detaillierte graphische Anzeige der Narkosewirkung bei regionaler Anästhesie auf einem Monitor.
Bisher gab es kein Messverfahren, das die Narkosewirkung bei regionaler Anästhesie anzeigt. Der Anästhesist war immer auf die Mitarbeit des Patienten angewiesen, der ihm verbal die Aus-breitung der Betäubung anzeigen musste. Zur Prüfung wurde ein Kältepack an die Haut gehalten und gefragt, ob der Patient die Kälte noch spürt. Davon abhängig konnte der Anästhesist dann Rückschlüsse auf den Grad der Betäubung ziehen.
Mankel: Ein Beispiel: Beim Kaiserschnitt wird alternativ eine PDA oder eine Spinalanästhesie gegeben. Im Fall der Spinalanästhesie steigt diese den Körper hoch bis zu einem bestimmten Punkt. Sollte die Anästhesie zu stark sein, steigt die Anästhesie über diesen Punkt hinaus, was dazu führt, dass die Patientin bei vollem Bewusstsein nicht mehr atmen kann. Derartige Fälle kommen vor (z.B. auch im Rahmen der klinischen Studie von TempaSenz), gehen aber in keine Statistik ein. Was bleibt ist ein unangenehmes Gefühl bei der Patientin, welches einem erneuten Kinderwunsch nicht unbedingt Auftrieb geben wird.
Der Anästhesist erkennt erst spät, wenn dieser schwerwiegende Zustand eingetreten ist. Üblicherweise wird dann der Chefarzt informiert, und dieser entscheidet über das weitere Vorgehen. Verbessert sich die Lage der Patientin nicht, wird eine Vollnarkose eingeleitet. Der Nachteil ist, dass die werdende Mutter die Geburt nicht erlebt und erst nach dem Aufwachen das Kind erstmals sieht. Die Einschätzung der Lage ist für den Chefarzt nicht leicht: woran kann er festmachen, ob die Anästhesie zurückgeht oder nicht? Mehr als der Pin-Prick-Test steht ihm nicht zur Verfügung.
Hier ist der Vorteil von TempaSenz unmittelbar erkennbar: schon sehr früh meldet das Gerät, dass eine zu hohe Dosierung erfolgte, noch bevor selbst der Patient es merkt. Wenn der Chefarzt hinzugezogen wird und entscheiden soll, ob eine Vollnarkose angezeigt ist, kann er anhand von TempaSenz eindeutig erkennen, ob die Anästhesie zurückgeht oder ggf. sogar noch weiter steigt. Er hat also ein effizientes Messverfahren zur Hand anstelle des nicht-technischen, veralteten Pin-Prick-Test.
Wir sehen in diesem Gerät einen wertvollen Nutzen für viele Menschen, vor allem für werdende Mütter.
VC Magazin: Gleichzeitig wird von Forstwirtschaft bis Healthcare ein sehr breiter Investitionsfokus genannt. Auf welche Branchen werden Sie sich konzentrieren? Wo sehen Sie den attraktivsten Dealflow?
Mankel: Da wir ja kein Corporate Investor sind, der seine Ziele eng nach der Muttergesellschaft ausrichten muss, nehmen wir uns die Freiheit, die Investitionsbranchen und -ziele zunächst sehr breit zu definieren. Das versetzt uns in die Lage, in einem breiten Feld auf Innovationen zu setzen, die von den Fachleuten als die „Wachstumstreiber der Zukunft“ beschrieben werden: Nano- und Biotechnologie, erneuerbare Energien (Smart Grid und auch Speichertechnologien), 3D-Druck-Technologie, „Internet-related“ Entwicklungen und viele weitere Segmente.
Kühr: Wir haben da keine Angst vor der technischen Expertise, die man gegebenenfalls von Experten kaufen kann – im Wachstumsprozess solcher Unternehmen sind Markt-, Marketing- und Vertriebs-Knowhow sowie Unternehmens- und Personalführung Schlüsselgrößen, zu denen wir aus eigener Kompetenz etwas beisteuern können. Eine Technologie-Innovation ist erst dann eine erfolgreiche Innovation, wenn der Markt „Hurra“ schreit…
VC Magazin: Entspricht z.B. E-Commerce und Handel noch dem oben genannten ethischen Prinzip?
Mankel: Die Entwicklungen der letzten Jahre – insbesondere die globale Finanzkrise und in der Folge in Not geratene Unternehmen, Banken und Privatpersonen – zeigen klar auf: Grundlagen und Motive in der Wirtschaft orientieren sich keinesfalls primär am Nutzen für die gesamte Gesellschaft. Im Gegenteil: Allzu oft stehen Partikularinteressen im Vordergrund, eigener Reichtum und Profit sind wichtiger als zum Beispiel in Not geratenen Menschen zu helfen oder sich in sonstiger Form nachhaltig für das Allgemeinwohl einzusetzen.
Die 7×7 Unternehmensgruppe will eine Alternative zur herrschenden Einstellung gegenüber Finanzwirtschaft und Unternehmertum anbieten.
Vor diesem Hintergrund investieren 7×7 Unternehmenswertefonds schwerpunktmäßig in Unternehmen, die wirtschaftlich interessante Perspektiven eröffnen; Unternehmen, deren Management und Gesellschafter zugleich den Inhalten und Zielsetzungen der siebenfachen Rendite (siehe Kasten) zustimmen.
Damit versteht sich von selbst, dass 7×7 nicht in Unternehmen investiert, die Möglichkeiten der globalen Wirtschaft zum Nachteil von Menschen ausnutzen, in irgend einer Weise Natur und Umwelt schädigen, soziale Gruppen und/oder religiöse Überzeugungen diskriminieren, gesundheitsgefährdende Produkte herstellen oder mit ihren Produkten oder Verlautbarungen christlichen Werten widersprechen.
Sofern sich also E-Commerce- und Handelsunternehmen an diese Spielregeln halten, sind sie grundsätzlich für den 7×7 VC-Fonds geeignet.
VC Magazin: Neben Unternehmensbeteiligungen sind auch Mezzanine-Finanzierungen geplant. An welche Unternehmen sollen sie ausgereicht werden? Woher wird sich der Dealflow speisen?
Mankel: In unserer aktuellen Modellrechnung zur Fondsplanung gehen wir davon aus, dass wir 62% der Investments als typische Eigenkapital-VC-Investments durchführen und dafür 48% des zu investierenden Kapitals verwenden, d. h. 38% der Beteiligungen entfallen auf Mittelstands-PE-Investments, wofür wir 52% der Finanzmittel einsetzen. In diesem Segment sehen wir auch schwerpunktmäßig die Mezzanine-Finanzierungen, da bei Later-Stage-Unternehmen naturgemäß ein stabilerer Cash Flow vorhanden ist, der auch Zinszahlungen verträgt.
Kühr: Die Netzwerke der 7×7 Gruppe sorgen für einen kontinuierlichen „Deal Flow“ von Investment Opportunitäten, also von Anlagemöglichkeiten in Unternehmen aus allen Unternehmens-Phasen. Der Deal Flow wird über folgende Partner und Netzwerke realisiert:
1) Die 7×7 Unternehmensgruppe mit ihren rund 50 Mitarbeitern an sieben Standorten erhält regelmäßig interessante Anfragen von Unternehmern und Gründern und trägt dadurch intensiv zum Deal Flow für den 7×7 VC-Fonds bei.
2) Steuerberater
Durch eine Kooperation mit Dr. Stephan Bannas, Gründer und Gesellschafter der Steuerlehrgänge Dr. Bannas GmbH, zu der auch das Berliner Seminar für Steuerrecht, Prüfungs- und Treuhandwesen gehört, besteht ein Kontakt zu mehreren Tausend Steuerberatern in Deutschland. Der Steuerberater vor Ort ist oft der erste und der natürliche Ansprechpartner, wenn Unternehmer Kapital benötigen.
3)Gesellschaft zur Förderung des Forschungstransfers e.V. (GFFT)
Die Gesellschaft zur Förderung des Forschungstransfers e.V. nimmt im Umfeld von Innovationsentwicklung, marktgerechtem Einsatz und politischer Förderung durch die Übernahme der Vernetzungsverantwortung eine eigenständige zentrale Funktion ein. Dazu bindet sie ein aktuelles, weitreichendes Netzwerk von Innovationspartnern ein und bietet Innovationsanbietern und -nutzern eine Vielzahl von erprobten Services an, die die Ziele des Forschungstransfers in ihrer Gesamtheit unterstützen. Der Verwertungsweg über Unternehmensgründungen wird dabei ausdrücklich unterstützt, was nicht zuletzt durch einen jährlich ausgelobten Gründerpreis deutlich wird. Herr Christoph Herr, Prokurist der 7×7 Unternehmenswertefonds, ist Mitglied der GFFT und war als Geschäftsführer der „Liquiverse GmbH“ erster Preisträger der GFFT für innovative Start-Ups.
4) Hightech-Gründerfonds (HTGF), Bonn
Der 7×7 VC-Fonds hat durch das Management des Fonds einen sehr guten Kontakt zum Management und zu den Projektleitern des HTGF und kann sich im Fall von HTGF-Investments unbürokratisch und schnell als Side Investor anbieten, sofern das jeweilige Unternehmen in den Anlagefokus der Gesellschaft passt.
VC Magazin: Der Fonds wird laut Prospekt Tickets von 25.000 bis 700.000 EUR investieren, was auch im Frühphasenbereich vergleichsweise niedrige Summen sind. Der Fonds wird damit nur sehr geringe Anteile an den Unternehmen erwerben können. Wie stellen Sie sicher, dass Sie als Gesellschafter trotzdem Einfluss auf wichtige Entscheidungen nehmen können?
Mankel: Es gibt momentan Überlegungen, den 7x7VC-Fonds durch eine geeignete parallele Beteiligungsstruktur für europäische institutionelle Investoren zu öffnen. Dadurch hätte man natürlich ein höheres Invest-Volumen zur Verfügung, mit der Möglichkeit, auch größere Beteiligungen zu realisieren.
Unabhängig davon werden wir sicherlich in einigen Fällen lediglich die Rolle eines Co-Investors übernehmen; das hätte den Vorteil, dass man sich den Betreuungsaufwand zeitlich und inhaltlich mit dem Leadinvestor teilen kann und dadurch auch den Einfluss auf wichtige Entscheidungen absichern kann. Unabhängig davon ist es aber im VC-Geschäft üblich, als Voraussetzung einer Beteiligung einen Katalog von Informations- und Mitspracherechten zu vereinbaren, der den VC-Investor in eine starke Position bringt. Ohne solche Sondervereinbarungen wären die im VC-Business üblichen Minderheitsbeteiligungen überhaupt nicht möglich!
Kühr: Nicht zuletzt sollte man auch bedenken, dass erst durch das VC-Investment eines Fonds bestimmte regionale / öffentliche Förderprogramme in Anspruch genommen werden können, mit denen das zur Verfügung gestellte Kapital z. B. verdoppelt werden kann. Die Förderstellen legen dabei großen Wert darauf, dass der VC-Investor maßgeblichen Einfluss bei der Betreuung des Unternehmens hat.
VC Magazin: Wie werden Sie Coaching- und Kontrollfunktionen ausfüllen?
Mankel: Dies ist in erster Linie die Aufgabe des Fondsmanagements und der jeweiligen Projektleiter. Das VC-Management wird bei der Beurteilung und Entscheidung über Portfolioinvestitionen, aber auch bei allen wichtigen Fragen, die sich im Monitoring-Prozess ergeben, durch einen Fachbeirat unterstützt, dem vier erfahrene Fachexperten und erfolgreiche Unternehmer angehören.
Die Portfoliounternehmen werden zusätzlich von erfahrenen Unternehmern und Beratern begleitet, die als sog. „FBG-Beiräte“ zertifiziert sind. Die FBG ist eine Genossenschaft, die die Anwendung christlicher Werte in der Wirtschaft fördert. Damit verfügen sie über die Fähigkeit, Unternehmen und deren Leitungsteams ganzheitlich zu begleiten.
Einerseits wird dabei Wert auf die Faktenlage gelegt, andererseits auch auf weiche Faktoren und auf ethische Fragestellungen. Die Beiräte berichten an die Managementgesellschaften und unterstützen auf diese Weise die Erreichung der jeweils vereinbarten strategischen Meilensteine in jeder Beteiligung.
VC Magazin: Sie erheben ein Agio, das sich von Anleger zu Anleger unterscheidet. Wovon hängt die Höhe dieses Ausgabeaufschlags ab?
Kühr: Im Prospekt heißt es: „Neben seiner Einlage hat der Anleger ein Agio als Abschlussgebühr zu leisten. Es steht im Ermessen der Emittentin, abhängig vom jeweiligen Anleger ein Agio von bis zu 5 Prozent der Pflichteinlage zu erheben. Dabei kann die Höhe des Agios von Anleger zu Anleger variieren, sie beträgt jedoch nie mehr als maximal 5 Prozent der Pflichteinlage. Das Agio wird in die Kapitalrücklage eingestellt und fließt dem Anleger nicht wieder zu.“
Diese Regelung ermöglicht es, institutionellen und/oder unternehmerischen Investoren eine Sonderregelung zu geben, die in der Regel dann erforderlich sein wird, wenn der Investor eine Einlage in Millionen-Höhe erbringt – oder aber wenn wir z.B. einen Industriekonzern als Investor gewinnen können, der nicht nur einen namhaften Betrag mitbringt, sonder auch noch einen „added value“ (Wert-erhöhender Beitrag) verspricht, in dem er den Portfolio-Unternehmen Hilfestellung in der Produktentwicklung, im Marketing und Vertrieb, in Patent- und Lizenzfragen etc. anbietet, eventuell sogar als erster Kunde die wichtigen Pionierumsätze mit dem Start-up tätigt. Solche Leistungen können deutlich mehr wert sein als das gesamte Agio, und sie dienen der Werterhöhung des Portfolios und damit letztendlich allen Anteilseignern! Dieses Verfahren ist im Fundraising internationaler PE/VC-Fonds völlig üblich!
VC Magazin: Welche anderen Kosten kommen im Laufe der Fondslaufzeit auf den Anleger zu?
Mankel: Die Kosten des Fonds werden aus den Einlagen und aus Einnahmen getätigt. Diesbezüglich kommen auf den Anleger keine weiteren Aufwendungen mehr zu.
Weitere Kosten für den Anleger können in Form von Verzugszinsen dann entstehen, wenn ein Anleger seiner Zahlungsverpflichtung hinsichtlich des Zeichnungsbetrags nicht nachkommt. Sofern der Anleger vorzeitig ausscheiden will, trägt er die Kosten für die Ermittlung des Abfindungsgutachtens selbst.
Alle anderen Kosten, welche dem Anleger entstehen können, sind aus unserer Sicht vernachlässigbar. Es handelt sich hierbei beispielsweise um Kosten, die dadurch entstehen, wenn er als Direktkommanditist der Fondsgesellschaft beitritt oder seine Treuhandbeteiligung in eine direkte Beteiligung umwandelt (Notarielle Beglaubigung der Handelsregistervollmacht). Weiterhin trägt der Anleger u.a. seine Reisekosten selbst, wenn er an einer Gesellschafterversammlung teilnehmen möchte, sowie seine Portokosten, wenn er an einer schriftlichen Abstimmung teilnimmt.
VC Magazin: Üblich bei Beteiligungsfonds ist eine Hurdle Rate, bis zu der Gewinne aus Veräußerungen ausschließlich an die Anleger entfallen. Darauf verzichtet der 7×7 Unternehmenswerte Deutschland I. Weshalb?
Mankel: Die Managementgesellschaft (die Komplementärin) erhält von der Gesellschaft eine Erfolgsbeteiligung von 20 Prozent des ausschüttungsfähigen Gewinns (Jahresüberschuss i.S. des § 275 HGB) der Gesellschaft.
Die Gewährung und Zahlung der Erfolgsbeteiligung nach Satz 1 erfolgt ab dem Zeitpunkt, in dem die Summe der Ausschüttungen an die Anleger aufgrund von Jahresüberschüssen der Gesellschaft 100 Prozent der Summe der eingezahlten Pflichteinlagen erreicht hat (sog. „Vollausschüttung“). Danach (d. h. ab erstmaliger Vollausschüttung), entfallen 80 Prozent des ausschüttungsfähigen Gewinns an die Anleger und 20 Prozent des ausschüttungsfähigen Gewinns (sog. „Carried Interest“) an die Komplementärin. Dies ist die Standardregelung bei allen internationalen VC-Gesellschaften, so auch beim 7×7 VC-Fonds.
Die sog. Hurdle-Rate bezeichnet einen Prozentsatz, um den die 100%-Ausschüttung an die Investoren überschritten werden muss, bevor die 20-80-Regelung eintritt. Eine „übliche“ Regelung gibt es aber nicht: der Prozentsatz variiert zwischen 0% und 8% (häufig 5%) – und es hängt von der Stärke / Erfahrung der Fondsmanager ab, ob Investoren eine solche Regelung verlangen. Diese Carry-Regelung steht häufig auch in Verbindung mit einer „Claw-back“-Regelung, nach der das Management bei unerwarteten Ergebnissen in der Fondsentwicklung ggf. den erhaltenen Carry ganz oder teilweise zurückzahlen muss. Das Management ist grundsätzlich bereit, eine Hurdle Rate inkl. Claw back auch beim 7×7 VC-Fonds einzuführen und wir würden gerne mit entsprechend großen Investoren darüber verhandeln!
VC Magazin: Der Anleger kann dem Fonds als Direktkommanditist oder als Treugeber der Treuhandkommandistin beitreten. Für wen eignet sich welche Alternative?
Kühr: Es gibt Anleger, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht prominent im Handelsregister erscheinen möchten, oder die nicht an Gesellschafterversammlungen usw. teilnehmen möchten. Für diese ist die Treugeber-Variante ideal. Andere wiederum möchten intensiv an der Entwicklung des Portfolios teilnehmen und unmittelbar informiert werden, für diese ist die direkte Beteiligung gedacht.
Die Fragen stellte Mathias Renz.
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