Jungunternehmen hierzulande brauchen Kapital – und das kommt auch von Privatanlegern. Die Venture Plus AG (www.venture-plus.ag) bietet Publikumsfonds an, über die private Investoren am Wachstum junger Firmen partizipieren können. Der dritte Fonds V+3 wurde Anfang Juli bei 106 Mio. EUR geschlossen, das Fundraising für den Nachfolger V+4 hat bereits begonnen. Michael Vogel, Vorstandsvorsitzender von Venture Plus, berichtet im Interview, wie sich das Portfolio entwickelt und warum auch ein Fonds für institutionelle Investoren geplant ist.
VC Magazin: Mit dem Venture Plus Fonds 4 ist die Venture Plus AG im Juni in die Platzierung gegangen. Wie ist der Start gelungen?
Vogel: Das Umfeld ist nicht ganz einfach im Moment, zumal wir auch noch im Sommer gestartet sind, wo ohnehin urlaubsbedingt weniger Betrieb herrscht. Nichtsdestotrotz sind wir bislang zufrieden. Wir peilen ein Zielvolumen von 100 Mio. EUR an, mit der Option, auf 300 Mio. EUR zu erhöhen. Unser Angebot für den Anleger ist attraktiv, denn wir bieten viel Flexibilität: Er hat die Wahl zwischen einer Einmaleinlage und einem Ratensparmodell. Ratensparer können zudem später die Höhe der Raten anpassen oder auch einmal aussetzen, schließlich kann sich die Lebenssituation über die lange Fondslaufzeit hinweg verändern, und dann ist es wichtig, auch seine Vermögensanlage an die neue Situation anpassen zu können.
VC Magazin: Welche Investmentstrategie verfolgt der Fonds?
Vogel: Wir bleiben der Strategie der Vorgängerfonds treu und setzen auf junge Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik, personalisierte Medizin und Nahrungsmittel und sehen uns auch im Mobilitätssektor um. Pro Beteiligung investieren wir etwa zwischen 1 und 2 Mio. EUR, wenn erste Erfolge da sind, kann darüber hinaus aufgestockt werden.
VC Magazin: Gerade Start-ups im Bereich Biotechnologie und Medizintechnik fordern den Investoren einen langen Atem und viel Kapital ab. Viele institutionelle Fonds scheuen daher das Risiko und investieren nicht in diesem Sektor. Kann man Privatanlegern so ein Risiko zumuten?
Vogel: Die Frage ist, wie man mit dem Risiko umgeht. Wir begleiten die Unternehmen in der Medikamentenentwicklung nur während der ersten oder zweiten klinischen Phase und verkaufen unsere Anteile dann weiter. Diese Phasen können gut durchfinanziert werden, und das Risiko ist sehr überschaubar, wenn vorher schon gute Ergebnisse vorgelegen haben. Danach muss man aber wirklich aussteigen, denn eine Phase III birgt schon wieder ganz andere Risiken.
VC Magazin: Ihre Fonds halten oftmals nur kleine Anteile an Unternehmen, häufig im einstelligen Prozentbereich. Haben Sie trotzdem ein Mitspracherecht bei Entscheidungen?
Vogel: Aber selbstverständlich! Wir achten bereits bei der Vertragsgestaltung darauf, dass wir uns auch mit unserem Know-how und Netzwerk einbringen können und mitgestalten können. Dass wir im Beirat sitzen, ist für uns eine Voraussetzung für ein Investment. Bisher waren wir damit recht erfolgreich.
VC Magazin: Spektakuläre Insolvenzen bei Schifffonds und Skandale wie um S&K haben in den vergangenen Monaten geschlossene Fonds und Vermittlern einen deutlichen Imageverlust bei Privatanlegern beschert. Wie geht Venture Plus mit dem Problem um?
Vogel: Wir haben schon sehr frühzeitig reagiert und uns bereits letztes Jahr von vielen Vermittlern getrennt. Wir haben einen Wissenstest eingeführt, den jeder ablegen muss, der unsere Fonds vertreiben will. Damit garantieren wir die Qualifikation unserer Vermittler. Ihre Zahl hat sich in der Folge von 1.500 auf 500 reduziert. In diesem Jahr haben wir die Fragen beim Folgetest noch einmal verschärft und arbeiten derzeit nur noch mit etwa 200 Vermittlern zusammen, die dafür alle sehr gut ausgebildet sind. Wir sind am Anfang natürlich auf Skepsis gestoßen, aber die wirklich guten Vermittler haben sehr schnell verstanden, dass diese Vorgehensweise auch für sie eine wichtige Absicherung ist.
VC Magazin: Der Start Ihres vierten Fonds fällt mit dem Inkrafttreten des neuen KAGBs zusammen. Wie passen Sie sich an die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen an?
Vogel: Rein rechtlich gesehen müssten wir die neuen Bestimmungen nicht umsetzen, da der Fonds klein ist und absolut unabhängig von den anderen Fonds gemanagt wird. Wir streben aber trotzdem an, alle Fonds AIFM-konform aufzustellen. Damit gewährleisten wir eine zusätzliche Kontrollfunktion und erreichen eine Enthaftung. Für die Anleger bedeutet das noch mehr Transparenz. Beispielsweise geben wir ohnehin bereits Jahresberichte heraus und informieren per Rundmail über aktuelle Entwicklungen im Portfolio, geplant sind künftig aber auch Quartalsberichte.
VC Magazin: Wie entwickelt sich Ihr Portfolio momentan?
Vogel: Sehr gut. Wir sehen aktuell die Möglichkeit, gute Käufe zu tätigen, die Preise liegen oftmals unter Wert. Der Fonds V+ 4 ist bereits seine ersten drei Beteiligungen eingegangen, und wir rechnen schon im nächsten Jahr mit dem ersten Exit. Denn auch auf der Verkaufsseite bieten sich momentan gute Chancen, die großen Pharmakonzerne suchen nach wie vor händeringend nach neuen Produkten. Allerdings haben sich die Verhandlungen verlängert, wir erleben es gerade, dass sich die Gespräche auch einmal über ein Jahr hinziehen können. In Konzernen gehen Entscheidungen nun einmal über viele Schreibtische, das dauert.
VC Magazin: Venture Plus plant auch die Auflegung eines institutionellen Fonds. Wie ist hier der aktuelle Stand?
Vogel: Wir wurden in der Vergangenheit häufiger angesprochen von institutionellen Investoren wie Family Offices, die unser Angebot attraktiv fanden, aber nicht in einen Publikumsfonds investieren wollten. Ihnen bieten wir nun eine Alternative. Das Fundraising ist bereits angelaufen, der Fonds wird gegründet, sobald wir über Letters of Intent Kapitalzusagen über 5 Mio. EUR erreicht haben. Der Fonds soll 50 Mio. EUR erreichen und wird in die Unternehmen investieren, an denen sich auch der Publikumsfonds beteiligt, sodass für die Start-ups mehr Kapital zur Verfügung steht. Es ist nämlich sehr schwer geworden, Co-Investoren zu finden, Venture Capital ist ein knappes Gut.
VC Magazin: Danke für das Gespräch, Herr Vogel.
Zum Gesprächspartner:
Michael Vogel ist Vorstandsvorsitzender der Venture Plus AG, die Venture Capital-Fonds für Privatanleger konzeptioniert, auflegt und berät.