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Private Equity-Gesellschaften zeigen wieder steigendes Interesse an Investments in Industrieunternehmen, wie eine aktuelle Umfrage von MP Corporate Finance zeigt. Demnach sind die Prognosen hinsichtlich Wachstum und Fundraising wieder leicht positiv.
Kleinere Deals und strategische Zukäufe im Fokus
DACH-Region setzt auf operativ-organische Optimierungen, Fundraising-Umfeld bleibt fordernd
Heruntergebrochen auf die Regionen sind die Private Equity-Professionals in den skandinavischen und südeuropäischen Ländern, ebenso wie in Großbritannien und Frankreich, am optimistischsten (56 Zähler) im Hinblick auf den Industrie-M&A-Markt, gefolgt vom Benelux-Raum (53 Zähler). Die DACH-Region, europaweit der größte Markt für Industrial-M&A, ist mit 47 Zählern dagegen noch am verhaltensten – vor allem aufgrund von Deutschlands derzeitigem wirtschaftlichen Schwächeln. So rechnet hier zwar die Mehrheit der Befragten (65%) mit einer ansteigenden Deal-Aktivität binnen der nächsten zwölf Monate – in Skandinavien und Südeuropa erwarten allerdings über 80% der Umfrageteilnehmer eine steigende Transaktionsaktivität. Das Interesse an Industrie-Targets wächst deutlich, wie knapp die Hälfte der DACH-Professionals in der Umfrage angeben. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die Investoren in der Region weniger als im restlichen Europa von steigenden Bewertungen ausgehen.
Fundraising weiter herausfordernd
Zeitgleich bleibt das Fundraising-Umfeld in der DACH-Region aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten und eines intensiveren Wettbewerbs weiterhin herausfordernd. Daher gehen die Investoren in der Region pragmatisch vor und konzentrieren sich auf die Optimierung bestehender Portfolios. Diese vorsichtige, aber strategische Herangehensweise eröffnet Chancen für langfristige Wertsteigerungen, während sich das Umfeld stabilisiert. Roman Göd weiß: „Dies ist nicht nur eine geografische Besonderheit, sondern ein mehr oder weniger natürlicher Reflex auf die weiterhin angespannte Fundraising-Situation, bei der nur 41% der Befragten auch wirklich von einer kurzfristigen Verbesserung ausgehen. Bei den erwarteten Transaktionen werden wir Private-Equity-Player in den kommenden Monaten eher auf der Käuferseite sehen, da – verglichen mit den letzten zwölf Monaten – starke IRR-Prognosen und ein voraussichtliches Wachstum der Bewertungsmultiplikatoren die Investitionstätigkeit unterstützen. Zudem werden die jüngsten und weiter zu erwartenden Zinssenkungen der EZB und Fed das Transaktionsgeschehen zusätzlich anheizen.“
Direktinvestitionen laufen Carve-outs den Rang ab
In puncto Investments zeigen sich ebenso wie bei den Exitkanälen regionale Kulturunterschiede: Während die Befragten in Benelux und Südeuropa vornehmlich auf Primary-Transaktionen setzen, haben in der DACH- und Nordics-Region Secondaries die Nase vorne. Carve-outs und Public-to-Privates spielen übergreifend eher eine nachgeordnete Rolle – Direktinvestitionen sind also europaweit State of the Art. Wenn es ans Ende der Haltedauer geht, favorisieren die Mittel- und Südeuropäer meist strategische Käufer für ihre Portfolios. In der DACH-Region kommen auf Platz zwei Family Offices und danach erst andere Private-Equity-Fonds ins Spiel. In den Nordics sind Continuation Funds, bei denen schwer veräußerbare Portfoliounternehmen oder besonders erfolgreiche Partnerschaften am Ende der eigentlichen Fondslaufzeit eine fortgesetzte Heimat finden, als Exit-Channel ganz vorne dabei, während sie in den anderen Regionen noch deutlich unterrepräsentiert sind. „Hier zeigt sich, dass ein vermeintlicher Trend eben in der Realität noch längst nicht so häufig angekommen ist“, so Gregor Nischer, MP Gründungs- und Managing Partner.